
So sehen viele Kaffees in Reykjavik aus, versichern Island-Reisende. Im Hintergrund eine der Leinwände mit einem lesenden Isländer.
Bei seinem Gastlandauftritt an der Frankfurter Buchmesse setzt Island auf die Tradition als Literaturnation. Ein Island-Augenschein an der Frankfurter Buchmesse.
Der Island-Pavillon ist im Messetrubel eine Art Oase. Ein Ort, an dem man sich erholen und zur Ruhe kommen kann. – Auf fast raumhohen Leinwänden sieht man Isländer, die bei sich zu Hause vor dem Büchergestell sitzen und lesen. Immer wieder liest auch jemand laut vor. Island zelebriert seine Literatur-Affinität. Folgende Zahlen tauchen immer wieder auf:
- Ein Isländer kauft im Jahr durchschnittlich 8 Bücher (was überdurchschnittlich viel ist)
- Hinsichtlich der Buchmesse wurden über 200 Bücher aus dem Isländischen ins Deutsche übersetzt
- Kein anderes Land hat pro Kopf so viele Autoren und Verlage wie Island
Nationalsport: Pro-Kopf-Vergleich
Auf den Pro-Kopf-Vergleich war ich vorbereitet. Er ist «Nationalsport Nummer eins» bei den Isländern.
Weiss ich aus «Gebrauchsanleitung für Island», die auf amüsante Weise eine Annäherung an die Isländer und ihre Eigenheiten bietet. Geschrieben hat sie Kristof Magnusson, Sohn deutsch-isländischer Eltern, Übersetzer und Autor. An der Buchmesse habe ich Magnusson kurz getroffen:
Kristof Magnusson, spürt man die Literaturbegeisterung tatsächlich im isländischen Alltag?
Ja, und zwar in vielerlei Hinsicht: In der Zeitung finden sich jeden Tag seitenweise Nachrufe auf ganz normale Menschen, die von deren Angehörigen verfasst werden. Und wenn im Dezember die vorweihnachtliche «Bücherflut» über das Land rollt, hasten Autoren von einer Lesung zur nächsten, bei manchen sind es vier oder fünf am Tag, auf Weihnachtsfeiern, bei Lesezirkeln, in Betrieben. Zu dieser Jahreszeit ist es nicht ungewöhnlich, in Supermärkten und Tankstellen nicht nur ein paar Krimis, sondern auch die gebundenen Neuerscheinungen seriöser literarischer Autoren zu finden. Aber die Isländer schauen natürlich auch gern Champions League und «Sex and the city».
Schweizer, wie auch Deutsche, sind nicht ganz so Literaturbeflissen wie die Isländer. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Isländer. Sie hatten also viel Gelegenheit zur Beobachtung: Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen Deutschen und Isländern?
Die Isländer sind unverbesserliche Optimisten. Sie sprechen z.B. nicht vom Ersten und Zweiten Weltkrieg, sondern vom Ersten und Letzten Weltkrieg. Dieser Optimismus hat seine Wurzelnin der Pioniervergangenheit. Die norwegischen Siedler, die sich in offenen Booten auf den Atlantik wagten und zu dieser obskuren Insel segelten. Obwohl sie gar nicht genau wussten, wo sie lag. Das müssen einfach Optimisten gewesen sein, sonst wären sie ja zu Hause geblieben. Die Deutschen sind da zögerlicher.
Während der Frankfurter Buchmesse begleiten Sie isländische Autoren auf Lesereise in Deutschland. Welche Eigenheiten der Deutschen sind für Isländer wichtig zu kennen?
Die Isländer sind sehr spontan und planen ungern im voraus. Was sicherlich auch an dem unberechenbaren Wetter liegt. Da ist es wichtig zu wissen, dass die Deutschen gern etwas weiter im voraus planen. Und natürlich: Händeschütteln nicht vergessen. Das gilt bei vielen Isländern als typisch deutsch.
Welche drei Bücher muss man gelesen haben, um das heutige Island zu erfassen?
«Frauen» von Steinar Bragi, «Das Schimmern der Heringsschuppe in der Stirnlocke» von Óskar Árni Óskarsson und «Der Schöpfer» von Gudrún Eva Mínervudóttir
Warum diese drei?
Weil sie die Extreme des isländischen Lebens beschreiben: Vom Ländlich-Altmodischen über die moderne großstädtische Patchwork-Existenz und bis zum Bankenboom mit der großen Gier.
Magnusson war übrigens vom isländischen Pavillon überaus angetan: «Mir sind fast die Tränen gekommen.»
Kristof Magnusson (1976) arbeitet als Autor und Übersetzer in Berlin. Er ist Sohn deutsch-isländischer Eltern. Seine Kindheit verbrachte er in Deutschland und studierte in Leipzg und Reykjavik. Im Frühling ist seine «Gebrauchsanleitung für Island» erschienen.



Hba gar nicht gewusst, dass es in Island so viele Literaten gibt. Wenn man an Island denkt, kommen einem doch eher Vulkane und heiße Quellen in den Sinn. Immer wieder schön, was üner andere Länder zu erfahren.